Gerhard Zöchmeister im Interview: "Wir schauen immer, dass die Youngsters sich bei uns gut entwickeln können"

Die NÖTTV-Pressereferentin Mag. Martha Spörck bat dieses Mal Gerhard Zöchmeister, seines Zeichens Sportdirektor des TTC Guntramsdorf 1985, zum Gespräch.
Martha Spörck: Bitte stelle dich kurz vor!
Gerhard Zöchmeister: Ich bin 33 Jahre alt und Installateur. Neben Tischtennis interessieren mich noch viele andere Sportarten, wie Fußball oder Laufen - und natürlich mit Freunden fortgehen.
Martha Spörck: Wann bist du erstmals mit Tischtennis in Kontakt gekommen? Für welche Vereine hast du aktiv gespielt? Was waren deine größten Erfolge?
Gerhard Zöchmeister: Ich hab schon in der Kindheit bei Freunden im Garten und im Keller gespielt und dann durch meinen Freund Alex erfahren, dass es einen Tischtennisverein in Guntramsdorf gibt. Also hab ich das mal ausprobiert und bin bis heute bei diesem faszinierenden Sport hängengeblieben. Ich war immer beim TTC Guntramsdorf im Einsatz.
Martha Spörck: Seit wann bist du als Tischtennistrainer tätig?
Gerhard Zöchmeister: In Guntramsdorf habe ich vor über zwölf Jahren begonnen, als Nachwuchsleiter auch das Training zu leiten. Zunächst habe ich den Übungsleiterkurs gemacht, bald darauf auch den Lehrwart. Bis heute bin als Trainer in Guntramsdorf im Einsatz, im Nachwuchs, der Allgemeinen Klasse und auch bei den Bundesliga-Damen. Guntramsdorf spielt ja in einer Spielgemeinschaft mit der TTV Oberes Triestingtal in der 2. Bundesliga.
Martha Spörck: Du warst auch Nationaltrainer des Gehörlosenverbandes ...
Gerhard Zöchmeister: Von 2008 bis Sommer 2011 war ich Nationaltrainer beim Gehörlosen-Sportverband. Danach ist mein Vertrag ausgelaufen. Er wäre zwar ziemlich sicher wieder verlängert worden, nachdem aber einige Elternteile sich immer in die Arbeit einmischen wollten, habe ich die Verhandlungen abgebrochen.
Es war aber eine schöne Zeit, besonders die Großevents möchte ich nicht missen. Zum Beispiel die Deaflympics in Taipeh waren ein unglaubliches Erlebnis. Wann hat man schon die Chance, vor 5000 Zuschauern Tischtennis zu spielen oder als Coach dabei zu sein? Wir mussten sogar Autogramme geben und haben Freundschaften mit Spielern aus verschiedenen Ländern geschlossen, die bis heute anhalten.
Aber auch die Heimturniere, die Stimmung innerhalb der Gehörlosen-Gemeinschaft ist einfach sehr herzlich und familiär. Es war freilich keine leichte Aufgabe. Zunächst musste ich ja einmal Gehörlose finden, die gut Tischtennis spielen können. Denn bei meinem Antritt gab es gerade einmal drei Spieler. Mit Christopher Krämer von meinem Verein TTC Guntramsdorf haben wir schnell ein echtes Zugpferd gefunden. Es gibt aber viele Spieler, die zwar startberechtigt wären, aber lieber nicht bei einem "Behindertenverband" spielen, weil ihnen das peinlich wäre. Solche Vorurteile gibt es eben auch heute noch, dabei ist es wie gesagt eine einmalige Chance, die Welt zu sehen und seinen Lieblingssport auszuüben.
Auch das Coaching und Training der Gehörlosen ist nicht einfach, aber mit der Zeit habe ich einen Weg gefunden und es hat sehr gut funktioniert. Außerdem habe ich extra einen Kurs in Gebärdensprache abgelegt, um die Arbeit besser verrichten zu können. Der Gehörlosen-Verband hat dabei enorm von der Unterstützung des TTC Guntramsdorf profitiert, der neben Christopher weitere gehörlose Spieler integriert und ausgebildet hat. So mauserte sich Edim Inetas zu einem Fixpunkt im Nationalteam, Fachwart Gerhard Martinetz konnte sich als Vereinsmitglied vor Ort selbst ein Bild von den Fortschritten machen.
Martha Spörck: Derzeit bist du Sportdirektor des TTC-Guntramsdorf. Seit wann übst du diese Tätigkeit aus, was sind deine Aufgaben?
Gerhard Zöchmeister: Auch als Sportdirektor bin ich inzwischen zwölf Jahre beim TTC im Einsatz. Am Anfang war das noch nicht so viel Arbeit. Inzwischen hat sich Guntramsdorf aber zu einem Großverein gemausert, dementsprechend sind auch die Aufgaben umfangreicher. Es ist gar nicht leicht, so viele Interessen unter einen Hut zu bekommen und die Mannschaften sowie die Trainingsgruppe einzuteilen. Und das Bundesliga-Team ist auch noch einmal mehr Arbeit, als eine Landesliga-Truppe. Dass die Arbeit nicht so schlecht sein kann, zeigt, dass in meinen zwölf Jahren als Sportchef noch nie eine Mannschaft sportlich abgestiegen ist. Das ist glaube ich einmalig in Niederösterreich! Worauf ich auch sehr stolz bin, ist unser Charity-Turnier, das wir zugunsten einer krebskranken Guntramsdorferin organisiert haben. Dabei konnten wir über 3000 Euro für die Dame sammeln, der es inzwischen besser geht. Da hat aber auch wirklich die ganze Tischtennis-Gemeinschaft mitgeholfen. Spieler aus ganz Niederösterreich und Wien waren dabei und haben eine tolle Show abgeliefert. Die Aktion hat gezeigt, dass sportlicher Erfolg eben nicht alles ist und bei uns das Menschliche im Vordergrund steht.
Wir arbeiten im Vorstand fast täglich an der Verbesserung für die Trainings- und Vereinsstrukturen, die Vorgaben der Gemeinden bezüglich Hallen- und Trainingszeiten müssen wir aber einhalten. Daher gibt es hier auch Grenzen für uns. Aber wir versuchen, das Beste - vor allem für unsere Nachwuchstalente - herauszuholen. Davon haben wir in Guntramsdorf dank der guten Arbeit immer wieder einige. Ob die Musketiere rund um Odysseas Ovadias und Felix Scharf oder die neue Generation mit Theo Scharf - wir schauen immer, dass die Youngsters sich bei uns gut entwickeln können.
Martha Spörck: Dein Credo?
Gerhard Zöchmeister: Nie aufgeben - kämpfen bis zum Umfallen!
Martha Spörck: Danke für das Interview!
08.12.2011 15:21